Landesmeistertitel geht an den „Number One“

Totgesagte leben länger: das erste Boogie Turnier seit Jahren

Petticoats, Pferdeschwanz und spitze Schuhe, mal wiegender Gang, dann wieder schnelle Füße und ein lässiges Fangen der Dame. Zur Landesmeisterschaft im Rock’n’Roll und Boogie Woogie 2011 hatte am Samstag (02.04.2011) der 1. Bielefelder Rock’n’Roll Club in die Martin-Niemöller-Gesamtschule eingeladen.

Für den „Number One“ aus Krefeld traten dabei drei Paare an: Gisela Berkahn und Thomas Spitznagel waren ganz kurzfristig für die Krefelder an den Start gegangen, und waren mit Angela Thonnard und Harald Beckers zum „Number One“ gestoßen. Alexandra Krohn und Samuel Cassier hatten sogar ihr eigentliches Fach Rock’n’Roll für dieses Projekt „LM 2011“ gewechselt und sich in nur vier Wochen vorbereitet , um die angekündigte Wiederbelebung der Turnier-Szene im Boogie einzuleiten. Bei sonnigen 22°C zogen die Krefelder Paare zu dem einmaligen Event nach Westfalen. Doch auch in der Halle ging es bereits heiß her. Rock’n’Roll – und Wettbewerbe der Freedance Formationen bildeten für die neue Speerspitze im Boogie sozusagen einen gelungenen Rahmen.

Das jährliche Austanzen des Landesmeisterpokals in den verschiedenen Kategorien der beiden Sporttanzsparten hatte durch die Aufstellung einer Hauptklasse beim Boogie Woogie einen eigenen Höhepunkt. Von Vereinen aus Moers, Bergisch Gladbach, Hürth und Krefeld waren die Boogietänzer für zwei Endrunden angereist.

Zum swingenden Rhythmus von Boogie Woogie Musik im modernen Gewand oder als Evergreen traten die sieben nordrhein-westfälischen Paare auf dem ersten Turnier im eigenen Land seit Jahren an. Und das Publikum ging mit! Anfeuerndes Klatschen, lachende Gesichter und schiere Freude an dem ironischen und doch betont sportlichen Tanzstil waren der Lohn.

Zur Hälfte Neueinsteiger, hatten sie sich erst im letzten Jahr in den Bann der Swing Musik ziehen lassen. Die anderen, altgediente Boogie Tänzer mit viel Auftrittserfahrung und Erfahrung als Trainer. Scheinbar ein ungleiches Zusammentreffen. Da es sich aber hier um einen Sport handelt, steht der Ausgang erst nach der offenen Wertung fest. Die Wertungsrichter mussten die Paare bei einer sogenannten „Slow“ -Runde und einer „Fast“- Runde bewerten.

Dabei ist der Anspruch der langsame Runde an exakte Grundtechnik für die notwendige Eleganz der ausladenden Figuren und nahezu akrobatischen Einlagen fast anspruchsvoller als die schnelle Runde, in der präzise Führung und blitzschnelles Reagieren zu 50 Takten pro Minute abverlangt werden. Je 30 Punkte durften sie an die Paare vergeben für Grundtechnik, Figurenreichtum, Ausstrahlung und Musikinterpretation. Bei Fehlern gab es Abzüge.

Dabei reicht es nicht, eine feste Folge einzustudieren. Der Witz beim Boogie besteht im wahrsten Wortsinn darin, der Melodie oder dem speziellen Rhythmus einer unbekannten Boogie Nummer augenblicklich mit tänzerischen Bewegungen auch optisches Leben einzuhauchen.

Die Grundtechniken und Figuren dienen dabei lediglich als Grundlage. Der Leidenschaft für spontane Einfälle und überraschende Posen zu den Stopps der Musik sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Und nicht ganz unerwartet endete der Vergleich für die zwei Boogie Veteranen- Paare auf der Treppe: Platz 1 , Landesmeister NRW im Boogie Woogie 2011 ging an Gisela und Thomas, der 2. an das Bergisch Gladbacher Paar und der 3. Platz an Angela, und Harald. Alexandra und Samuel belegten den 6.Platz.

Obwohl der NWRRV in der Vergangenheit diverse internationale Titel erringen konnte, war es seit Jahren still geworden um die Turnierszene in NRW. Deshalb startet der NWRRV mit dem C-Trainer Lehrgang derzeit in Krefeld und der Landesmeisterschaft auch im Boogie ab 2011 hier einen Neuanfang.